Wohneigentum ist für Amerikaner eine der Säulen der Sozialversicherung und wird vom Staat umfassend gefördert. Ein eigenes Haus in angemessener Größe und mit dem passenden sozialen Umfeld steht für den sozialen Status der meisten US-Bürger.
Amerikaner geben einen großen Teil ihres Einkommens für die eigene Immobilie aus, nicht zuletzt, weil sie die Hypothekenzinsen von der Einkommenssteuer absetzen können. Bei einer hohen Immobilienschuld lockt ein entsprechend großer Steuervorteil. Außerdem garantiert der amerikanische Staat über die Kreditinstitute eine Zinsbindung über drei Jahrzehnte hinweg zu günstigen Konditionen, was die Investition für die Hauseigentümer überschaubar macht, für die Banken allerdings zu einem Risiko werden lässt.
Sicherheit versprechen sich die Geldinstitute von den beiden staatlichen Banken Fannie Mae (Federal National Mortgage Association) und Freddie Mac (Federal Home Loan Mortage Corporation), die später einen großen Teil dieser privaten Hypotheken aufkaufen. Die Buchsumme dieser beiden Hypothekenbanken ist mit mehr als einem Zehntel des US-Sozialprodukts exorbitant.
Fannie Mae musste im Jahr 2004 jedoch zugegen, die Richtlinien ordnungsgemäßer Buchführung nicht mehr eingehalten zu haben. Als etwa zeitgleich die Anzahl der privaten Insolvenzen spürbar zunahm, wandten sie die strengen Vorgaben des Insolvenzrechts nicht mehr an und vermieden Zwangsversteigerungen des Immobilieneigentums insolventer Bauherren, um ihr Image zu schützen. Eine auffällig große Anzahl von Zwangsversteigerungen hätte ein schlechtes Bild auf die gesamte Kreditvergabe der Staatsbank geworfen.
Die unaufhörlich steigenden Preise der amerikanischen Immobilienblase sorgten dafür, dass im Jahr 2005 beinahe 5 % aller Hypothekeninhaber ihre Kredite nicht mehr bedienten. Die Staatsbanken boten in einer vorher nie da gewesenen Aktion den insolventen Schuldnern weitere Tilgungs- und gelegentlich sogar zinsfreie Hypotheken an.
Da die Steigerung der Immobilienpreise auf dem Papier auch das Vermögen der Hypothekeninhaber erhöhte, war die Verlockung für die US-Verbraucher groß, das Verfahren des mit faulen Krediten finanzierten Konsums bis zum Gipfel der Immobilienblase fortzuführen.
Der Boom der Weltwirtschaft zog jedoch eine Zinserhöhung auch in den USA nach sich, der immer mehr verschuldete Hauseigentümer bis heute zwingt, ihre Immobilien zu verkaufen. Dadurch entstand zwangläufig die gefürchtete Abwärtsspirale: Erhöhung der Zinsen, Zwangsverkauf von Immobilien, fallende Gebäudepreise - die Immobilienkrise ist da.
Das Platzen dieser Blase bringt nun viele Kreditinstitute in Schieflage, lässt die Kurven vieler wichtiger Börsenindizes fallen und bedroht die auf Verbraucherkrediten beruhende US-Konjunktur.
Das Spannende an diesen Wirtschafts- und Börsenentwicklungen ist , dass im Nachhinein immer jeder Bescheid wusste, im Voraus den genauen Verlauf jedoch niemand vorhersagen kann.